KINO KINO im Admiral
10. Januar 2012 17:30 - 19. Januar 2012 23:00:
Habemus Papam - ein Spagat aus feiner Komödie und messerscharfer Glaubens-Analyse, Atmen von Karl Markovics – vielfach ausgezeichnet und Publikumsliebling, Cairo Time, außerdem Der Prozess und Alles Koscher -The Infidel original mit Untertitel diese Woche im Admiral Kino.
PROGRAMM Dienstag 10.1. bis Donnerstag 12.1.
17.30 ATMEN
19.15 HABEMUS PAPAM (OmU)
21.15 CAIRO TIME (OmU)
PROGRAMM Freitag 13.1. bis Donnerstag 19.1.
17.30 ATMEN
19.15 HABEMUS PAPAM (OmU)
21.15 DER PROZESS
NUR Samstag 14.1. und Sonntag 15.1.
15.30 ALLES KOSCHER - THE INFIDEL (OmU)
ATMEN
Regie: Karl Markovics. Mit Thomas Schubert, Karin Lischka, Klaus Rott, Georg Friedrich u.a. A 2011. 93 Min.
Der neunzehnjährige Roman Kogler steht kurz vor seiner möglichen vorzeitigen Haftentlassung aus der Jugendstrafanstalt. Doch Roman hat schlechte Karten - verschlossen, einzelgängerisch, ohne familiären Anschluss, scheint er für eine Sozialisierung unfähig. Ausgerechnet der Freigängerjob bei einem Bestattungsunternehmen führt Roman über den Umweg Tod zurück ins Leben.
Uraufgeführt mit standing Ovations bei den Filmfestspielen in Cannes, ausgezeichnet bei zahlreichen Filmfesitvals und für Österreich im Rennen um den Oscar: Karl Markovics' Regiedebüt ATMEN ist ein überraschender Glücksfall für das österreichische Kino. Mit feiner Klinge gibt der Regisseur Einblick in die Welt eines verschlossenen Jugendlichen und seinen Befreiungsschlag ins Leben.
HABEMUS PAPAM
Regie: Nanni Moretti. Mit Michel Piccoli, Nanni Moretti, Margerita Buy u.a. I 2011. 102 Min. OmU.
Wenn weißer Rauch überm Vatikan aufsteigt, dann ist ein neuer Papst gefunden. Vom Balkon aus werden die Worte "Habemus Papam" verkündet und der neue Papst tritt vor die jubelnde Menge auf dem Petersplatz. Zumindest in der Theorie.In der Praxis kann so etwas schon mal ganz anders laufen, findet zumindest Filmemacher Nanni Moretti ("Das Zimmer des Sohnes"). Er hält sich in seinem neuen Film "Habemus Papam" bis zur Verkündung jener Worte an den Usus des Vatikan. Doch dann lässt er seinen frisch gewählten Papst schreiend vor der neuen Verantwortung davonlaufen. Frankreichs Alt-Star Michel Picccoli spielt Melville, den auserwählten Papst, der sich mit seiner neuen Rolle nicht anfreunden kann; tagelang vergräbt er sich in den Zimmern seines neuen Zuhauses, anstatt vor die Welt zu treten; von Tag zu Tag wird er sicherer: "Ich kann dieses Amt nicht ausüben". Auch der herbeigeholte (atheistische) Psychoanalytiker (Regisseur Moretti spielt ihn selbst) kann nicht helfen, denn ihm wird verboten, mit dem Papst über dessen Vergangenheit, dessen Gedanken und möglicherweise auch Gelüste zu sprechen. Also wird Hilfe von Außen benötigt. Bei einem Ausflug nach Rom gelingt dem neuen Papst in Zivilkleidung die Flucht vor seinen Dienern. Ziellos streift er durch die Stadt auf der Suche nach Erleuchtung. Wird er diesen Job des Herrn erfüllen können? Es ist eine Groteske und ein Drama gleichermaßen, das Nanni Moretti hier mit viel launiger Ironie inszeniert, ohne der Katholischen Kirche aber jemals wirklich zu nahe zu treten. "Habemus Papam" ist voller Respekt für die Rituale und Gebaren des Konklave, für die Riten und Bet-Zyklen der Kardinäle. Dass dabei so einiges unfreiwillig komisch ist, betont Moretti in seiner Inszenierung und schafft dadurch den Spagat aus feiner Komödie und messerscharfer Glaubens-Analyse. Letztere findet auf zwei Ebenen statt: Während Melville im echten Leben als Zivilist an die Wurzeln der Verweigerung des Heiligen Stuhls gelangt, muss der Psychoanalytiker im Vatikan bleiben, damit er den Namen des frisch Gewählten niemandem kundtun kann - ein Rollentausch mit einschneidenden Erkenntnissen auf beiden Seiten. (M.Greuling, Wr.Zeitung)
CAIRO TIME
Regie: Ruba Nadda. Mit Patricia Clarkson, Alexander Siddig u.a. Kanada/Irland/Ägypten 2009. 88 Min. OmU
Drei Wochen Urlaub hat sich die Modejournalistin Juliette genommen, um ihren Mann Mark in Kairo zu besuchen. Doch unerwartet wird Mark, der für die UN in Gaza arbeitet, im Krisengebiet aufgehalten. Stattdessen empfängt sie sein ägyptischer Freund Tareq am Flughafen. In den folgenden Tagen wartet Juliette vergeblich auf ihren Mann. Sie beginnt, allein durch die Stadt zu spazieren. Doch auch für eine emanzipierte und elegante Frau wie sie, ist es nicht einfach, Kairo ohne Begleiter zu erkunden. Daher sucht sie Tareq im Kaffehaus auf. An seiner Seite lernt sie die antike Schönheit und den orientalischen Zauber Kairos kennen. Und bald sieht sie in dem charmanten Tareq mehr als nur einen freundlichen Begleiter...
CAIRO TIME ist die Geschichte einer unerwarteten Liebe vor der einzigartigen Kulisse Kairos. In den Hauptrollen glänzen die oscarnominierte Schauspielerin Patricia Clarkson (SHUTTER ISLAND, WHATEVER WORKS) als Juliette und ein charismatischer Alexander Siddig (KÖNIGREICH DER HIMMEL, MIRAL) als Tareq. Eine romantische Liebesgeschichte von Regisseurin Ruba Nadda (SABAH) und dem Produzenten von ONCE.
ALLES KOSCHER - THE INFIDEL
Regie: Josh Appignanesi. Mit Omid Djalili, Archie Panjabi u.a GB 2011.
Der Moslem Mahmud Nasir lebt in Großbritannien und nimmt es mit den Regeln seiner Religion nicht ganz so genau. Doch als seine Mutter stirbt und er ihre alten Unterlagen durchforstet, findet er heraus, dass er adoptiert wurde. Bei der Recherche nach seiner Herkunft deckt er auf, dass er eigentlich Jude ist und Solly Shimshillewitz heißt. Diese Erkenntnis reißt Mahmud in eine schwere Identitätskrise, denn plötzlich weiß er nicht mehr, wer er ist.
Mit Alles Koscher! kommt eine witzige britische Komödie in die Kinos, in der verschiedene Glaubensrichtungen, genauer gesagt der Islam und das Judentum, durch den Kakao gezogen werden. Wer mit der Veralberung von Religion und Glauben kein Problem hat und zudem für den Humor des Hauptdarstellers Omid Djalili (manchen vielleicht beispielsweise als ulkiger Sklaventreiber aus Die Mumie bekannt), der kann seinen Spaß haben und sich vor allem über den schrägen Vogel Mahmud, der zwischen dem Islam und dem Judentum hin und her eiert, amüsieren.
Grossartiger Plot von David Baddiel und Omid Djalili in einer Glanzrolle!
DER PROZESS
Regie: Gerald Igor Hauzenberger. Dokumentarfilm. A 2011. 116 Min.
Den NGO-Aktivisten wurde die Bildung einer kriminellen Organisation vorgeworfen. Zwei Jahre lang hatte die Polizei die politischen Aktivisten überwacht, sogar eine verdeckte Ermittlerin eingeschleust. Der Prozess endete dennoch mit einem Freispruch in allen Punkten. Viele der Aktivisten stehen wegen der Prozesskosten aber vor dem finanziellen Ruin. Handelt es sich also um einen Musterprozess gegen zivilen Ungehorsam? Muss jeder, der sich aktiv in einer NGO engagiert, fortan fürchten, als Mitglied einer terroristischen Organisation angeklagt zu werden?
Der Filmemacher Gerald Igor Hauzenberger begleitete einen der größten Prozesse der Republik mit der Kamera.
Weitere Vorschau auf das Programm der nächsten Woche und Filmkritiken finden Sie auf
Admiral Kino
Burggasse 119, 1070 Wien
5233759
http://www.admiralkino.at/

